Kurz gesagt
- Nicht jeder Bot gibt sich als Bot zu erkennen. Preiswächter und eigene Skripte rufen Ihre Suche mit einer ganz normalen Browserkennung ab.
- In einem echten Shop stammten so rund zwei Drittel aller gezählten Suchen von einem einzigen Wächter-Skript. Die zehn meistgesuchten Begriffe waren alle seine.
- Das deutlichste Merkmal sind die Klicks: Bot-Begriffe werden oft hundertfach gesucht und nie angeklickt.
- Filtern Sie Bot-Suchen in der Zählung heraus, statt Adressen zu sperren. Alte Zahlen lassen sich gezielt bereinigen.
Warum Bots in der Suchstatistik ein Problem sind
Die Suchstatistik ist eine der wertvollsten Datenquellen im Shop. Sie zeigt in den Worten Ihrer Kunden, was gesucht wird, was fehlt und was sich verkauft. Auf dieser Grundlage legen Sie Synonyme an, ändern Produkttitel, entscheiden über das Sortiment oder planen Kampagnen.
Zählt die Statistik auch Suchen von Programmen mit, kippen genau diese Entscheidungen. Die Liste der Top-Begriffe zeigt dann, was ein Skript abfragt, nicht was Kunden wollen. Die Klickrate wirkt schlechter, als sie ist, weil Bots nicht klicken. Und ein vermeintlicher Anstieg der Suchnutzung entpuppt sich als Programm, das seit ein paar Tagen läuft.
Welche Bots Ihre Suche abfragen
| Art | Woran zu erkennen | Wird meist schon gefiltert? |
|---|---|---|
| Suchmaschinen und KI-Crawler | ehrliche Kennung wie Googlebot, Bingbot, GPTBot | ja, über die Browserkennung |
| SEO- und Monitoring-Werkzeuge | Kennung wie AhrefsBot, SemrushBot, Uptime-Dienste | ja, über die Browserkennung |
| Einfache Skripte | Kennung wie curl, python-requests, wget | ja, über die Browserkennung |
| Preis- und Verfügbarkeitswächter | normale Browserkennung, immer dieselben Begriffe in festen Abständen | nein |
| Automatisierte Abfragen von Artikelnummern | normale Browserkennung, viele Artikelnummern hintereinander, oft nachts | nein |
Die ersten drei Gruppen sind harmlos für die Statistik, weil sie sich zu erkennen geben. Schwierig sind die beiden letzten. Sie geben sich als gewöhnlicher Chrome- oder Firefox-Browser aus, damit sie nicht gesperrt werden. Für einen einfachen Bot-Filter sehen sie aus wie Kunden.
Zwei Fälle aus der Praxis
Ein Fachhändler mit springenden Zahlen
Im Kundenkonto eines Fachhändlers sprangen die Suchen jeden zweiten Tag von rund 600 auf 2.700 und wieder zurück. Ein Blick ins Zugriffsprotokoll zeigte ein Skript von einem Privatanschluss: Es startete gegen 22 Uhr und fragte rund 50 Artikelnummern jeweils etwa 45-mal ab. Es schickte keine Cookies mit und gab die eigene Trefferseite als Herkunft an. Nach der Bereinigung lagen die Tage wieder bei 600 bis 950 Suchen.
Ein Wächter für hochwertige Geräte
Bei einem Shop für gebrauchte Elektronik standen plötzlich 34 Begriffe ganz oben in der Statistik, alle nach demselben Muster: ein bestimmtes Gerätemodell mit Prozessor und viel Arbeitsspeicher, mal mit, mal ohne „GB“ oder „Zoll“. Jeder Begriff kam auf rund 70 Suchen, keiner auf einen einzigen Klick.
Die Auswertung des Zugriffsprotokolls ergab:
- alle Abrufe von einer einzigen Adresse eines Privatanschlusses, mit normaler Chrome-Kennung und ohne Herkunftsangabe,
- gleichmäßig über den ganzen Tag verteilt, auch nachts, insgesamt 1.000 bis 1.500 Abrufe am Tag, teils mit Seite 2 und 3 der Treffer,
- ausschließlich Suchen, keine Produktseite, kein Warenkorb.
Hier wartet offensichtlich jemand darauf, dass ein bestimmtes Gerät günstig hereinkommt, vermutlich ein Händler oder Aufkäufer. Für den Shop ist das kein Schaden. In neun Tagen kamen aber 2.490 gezählte Suchen zusammen, rund zwei Drittel aller Suchen dieser Zeit. Die echte Klickrate war entsprechend fast dreimal so hoch wie angezeigt.
Interessant: Die Begriffe tauchten zuerst unter einer anderen Adresse auf. Bei Privatanschlüssen wechselt die Adresse regelmäßig. Wer nur nach Adressen filtert, läuft solchen Wächtern deshalb hinterher.
Woran Sie Bot-Suchen erkennen
| Merkmal | Echte Kunden | Wächter und Skripte |
|---|---|---|
| Klicks auf Treffer | regelmäßig | praktisch nie |
| Verteilung über den Tag | Spitzen abends und am Wochenende | gleichmäßig, auch nachts |
| Begriffe | vielfältig, viele nur einmal | wenige, sehr ähnliche Begriffe, immer wieder |
| Wiederholungen | selten derselbe Begriff mehrfach | derselbe Begriff dutzendfach am Tag |
| Weitere Seiten | Produktseiten, Kategorien, Warenkorb | nur Trefferseiten |
| Verlauf | schwankt mit Saison und Kampagnen | setzt an einem Tag plötzlich ein |
Der schnellste Test: Sortieren Sie Ihre Top-Begriffe nach Suchen und schauen Sie auf die Klicks. Ein Begriff mit 70 Suchen und null Klicks ist fast nie ein echter Kundenwunsch. Echte Begriffe mit vielen Suchen haben fast immer auch Klicks, selbst wenn die Treffer schlecht sind.
Im Zugriffsprotokoll nachsehen
Ob ein Verdacht stimmt, zeigt das Zugriffsprotokoll des Webservers. Bei Shopware ruft die Trefferseite die Adresse /search?search=… auf. Zählen Sie die Abrufe je Absender, fällt ein Wächter sofort auf:
grep "GET /search?search=" access.log | awk '{print $1}' | sort | uniq -c | sort -rn | head
Steht eine Adresse mit hunderten oder tausenden Abrufen ganz oben, sehen Sie sich deren Anfragen an: Uhrzeiten, Begriffe, Browserkennung und ob überhaupt andere Seiten abgerufen wurden. Ihr Hoster oder Ihre Agentur hilft dabei, falls Sie keinen Zugriff auf die Protokolle haben.
Stimmen Ihre Suchzahlen?
Ich prüfe Ihre Shopsuche persönlich, auch auf auffällige Begriffe in der Statistik. Oder Sie testen die Suche zuerst selbst mit dem kostenlosen Suchtest.
Was Sie dagegen tun können
Zählung filtern statt Adressen sperren. Wächter belasten den Shop selten spürbar, verfälschen aber die Auswertung. Deshalb gehört der Filter in die Zählung. Bewährt haben sich mehrere Stufen, die zusammenarbeiten:
- Browserkennung: Alles, was sich als Bot, Crawler, Monitoring oder Skript ausgibt, zählt nicht. Das ist die einfache, aber wichtige Grundlage.
- Entdopplung je Absender: Derselbe Begriff zählt von derselben Adresse mit derselben Browserkennung nur einmal in einem Zeitfenster, etwa einer halben Stunde. Das fängt Skripte ab, die einen Begriff in kurzer Folge wiederholen, und verhindert nebenbei Doppelzählungen durch Neuladen.
- Selbstverweis: Eine Trefferseite, die sich selbst als Herkunft angibt, ist ein Neuladen oder ein Skript, keine neue Suche.
- Tagesgrenze ohne Klick: Ein Absender zählt nur eine begrenzte Zahl Suchen am Tag, solange er nichts anklickt. Echte Kunden klicken früher oder später, danach zählen ihre Suchen wieder normal. Wächter, die nie klicken, bleiben unter der Grenze und fallen in der Statistik kaum noch ins Gewicht.
Alte Zahlen gezielt bereinigen. Ist ein Wächter erkannt, lassen sich seine Begriffe für den betroffenen Zeitraum aus der Statistik löschen. Prüfen Sie vorher, dass diese Begriffe wirklich keine Klicks haben, und sichern Sie die Daten.
Sperren nur bei Last. Bremst ein Bot den Shop tatsächlich aus, ist eine Begrenzung der Abrufe beim Hoster oder in der Firewall der richtige Weg. Bei einer Sperre einzelner Adressen von Privatanschlüssen treffen Sie nach dem nächsten Adresswechsel womöglich einen echten Kunden.
Nicht verwechseln: Google Analytics zählt anders
Skripte ohne JavaScript erscheinen in Google Analytics gar nicht. Ihre Shopstatistik zählt sie dagegen mit, wenn sie nicht filtert. Liegt die Zahl der Suchen im Shop deutlich über der in Google Analytics, kann ein Bot der Grund sein, nicht nur fehlende Einwilligungen im Cookie-Banner.
So schützt Suchklar Ihre Statistik
Suchklar zählt die Suchen im eigenen Suchfenster und auf der Trefferseite selbst und filtert dabei alle vier Stufen oben: bekannte Bots über die Browserkennung, Wiederholungen je Absender innerhalb einer halben Stunde, neu geladene Trefferseiten und seit Version 0.1.82.33 auch Wächter, die nie klicken. Tipp-Zwischenstände im Suchfenster zählen ebenfalls nicht. Die Filter wirken nur auf die Zählung, die Suche selbst funktioniert für alle Besucher weiter wie gewohnt.
Fällt im Kundenkonto oder im Wochenbericht ein verdächtiger Begriff auf, sehe ich mir das an und bereinige die Zahlen. Wie das Konto aussieht, zeigt die Seite Kundenkonto. Was in den letzten Versionen dazugekommen ist, steht unter Neu in Suchklar.
Häufige Fragen
Filtert Google Analytics Bots aus der Suchstatistik?
Nur bekannte Bots, die sich ehrlich zu erkennen geben. Skripte, die sich als normaler Browser ausgeben, aber kein JavaScript ausführen, tauchen in Google Analytics gar nicht erst auf. In der Statistik des Shops oder der Suchlösung, die serverseitig zählt, werden sie dagegen mitgezählt, wenn niemand filtert. Deshalb weichen die Zahlen oft voneinander ab.
Soll ich die Adresse eines Bots sperren?
Meist nicht. Ein Wächter, der ein paar hundert Suchen am Tag abruft, belastet den Shop kaum. Eine Sperre umgeht er mit einer neuen Adresse, und bei Privatanschlüssen trifft eine gesperrte Adresse nach dem nächsten Neuverbinden womöglich einen echten Kunden. Sinnvoller ist es, Bot-Suchen in der Zählung herauszufiltern. Sperren lohnen sich erst, wenn ein Bot den Shop spürbar ausbremst.
Hilft ein Eintrag in der robots.txt?
Nur gegen Suchmaschinen und andere Crawler, die sich daran halten. Mit Disallow für die Trefferseite verhindern Sie, dass Google und Co. massenhaft Suchergebnisseiten abrufen. Preiswächter und eigene Skripte ignorieren die robots.txt in der Regel.
Kann ich bereits gezählte Bot-Suchen nachträglich entfernen?
Ja, wenn die Statistik je Tag und Begriff gespeichert ist. Ermitteln Sie im Zugriffsprotokoll die Begriffe des Bots, prüfen Sie, dass diese Begriffe keine Klicks haben, und löschen Sie die betroffenen Tageswerte. Sichern Sie die Daten vorher. In Suchklar übernehmen wir das für Sie.
Woran erkenne ich, ob ein Suchbegriff von Menschen kommt?
Am deutlichsten an den Klicks: Echte Besucher klicken früher oder später auf einen Treffer, Bots fast nie. Dazu kommen die Verteilung über den Tag (Bots suchen auch nachts gleichmäßig), sehr ähnliche, technisch formulierte Begriffe und auffällig runde Wiederholungen derselben Begriffe.