Kurz gesagt
- Suchende Besucher wollen kaufen. Eine leere Ergebnisseite verliert sie meist still und ohne Beschwerde.
- Shopware 6 speichert die Suchbegriffe Ihrer Kunden nicht. Sie brauchen Google Analytics, Server-Logs oder ein Such-Plugin mit Auswertung.
- Fast jeder Nulltreffer fällt in eine von sechs Kategorien: Tippfehler, Synonym, Sortimentslücke, Datenqualität, Zeichen/Artikelnummer oder Sucheinstellung.
- Mit 30 Minuten pro Woche und einer guten Nulltreffer-Seite sinkt die Quote spürbar.
Was Suchen ohne Treffer kosten
Wer im Shop sucht, weiß meist schon, was er will. Suchende Besucher gehören deshalb zu den kaufbereitesten auf Ihrer Seite. Umso teurer ist es, wenn ausgerechnet sie eine leere Ergebnisseite sehen.
Eine Suche ohne Treffer kostet gleich doppelt:
- Der verlorene Kauf: Der Kunde schließt aus der leeren Seite, dass Sie das Produkt nicht führen. Auch dann, wenn es im Lager liegt und nur anders heißt.
- Das verlorene Vertrauen: Wer zweimal nichts findet, versucht es beim nächsten Mal gar nicht erst in Ihrem Shop.
Rechnen Sie es einmal grob für Ihren Shop durch. Beispiel: 400 Suchen ohne Treffer im Monat, davon hätte jede zwanzigste zu einer Bestellung über 60 Euro geführt. Das wären 20 Bestellungen und 1.200 Euro Umsatz, jeden Monat. Die Zahlen sind ausgedacht, die Rechnung ist es nicht: Setzen Sie Ihre eigenen Werte ein, und das Thema bekommt schnell eine Priorität.
Das Tückische daran: Nulltreffer sind unsichtbar. Es gibt keine Fehlermeldung, keine Beschwerde, keinen abgebrochenen Warenkorb. Der Besucher ist einfach weg.
Wo Sie Nulltreffer in Shopware sehen
Hier liegt die erste Überraschung für viele Shopbetreiber: Shopware 6 protokolliert die Suchbegriffe Ihrer Kunden nicht. Es gibt im Standard weder eine Tabelle mit gesuchten Begriffen noch eine Suchstatistik im Admin oder auf dem Dashboard.
Zwar existiert im System eine Tabelle mit Suchwörtern. Das ist aber der Suchindex Ihrer Produkte, also die Wörter aus Produktname, Produktnummer und den anderen durchsuchbaren Feldern. Was Kunden eingegeben haben, steht dort nicht.
Um an die Begriffe zu kommen, haben Sie drei Möglichkeiten:
- Google Analytics: Die Suchergebnisseite von Shopware hat die Adresse
/search?search=…. Google Analytics 4 kann Website-Suchen über solche URL-Parameter erfassen. Prüfen Sie in den Einstellungen Ihres Datenstreams, ob der Parametersearchberücksichtigt wird. Ob eine Suche leer blieb, sehen Sie dort allerdings nicht direkt, sondern nur über Umwege wie fehlende Klicks danach. - Server-Logs: Die Zugriffsprotokolle Ihres Webservers enthalten die aufgerufenen Adressen und damit auch die Suchbegriffe. Das ist mühsam auszuwerten und datenschutzrechtlich mit Ihrem Hoster und Ihrer Datenschutzerklärung abzustimmen.
- Ein Such-Plugin mit Auswertung: Viele Erweiterungen zählen Suchen, Treffer und Klicks selbst und zeigen die Begriffe ohne Ergebnis als fertige Liste.
Suchklar gehört zur dritten Gruppe: Jeden Montag kommt ein Wochenbericht mit den Suchen ohne Treffer, und im Kundenkonto sehen Sie die Nulltreffer-Quote im Vergleich zur Vorperiode sowie die Liste der Begriffe mit ihrer Häufigkeit. Bots werden herausgefiltert, doppelte Eingaben nicht mitgezählt.
Praxis-Tipp
Den Reiter „Echtzeit-Suche“ unter Einstellungen › Allgemein › Suche können Sie nutzen, um einen verdächtigen Begriff je Verkaufskanal nachzustellen. Eine Liste echter Kundensuchen liefert er nicht.
Die Ursachen: sechs Kategorien
Wenn Sie die Liste vor sich haben, sortieren Sie jeden Begriff in eine Kategorie. Das klingt nach Bürokratie, spart aber Zeit, denn jede Kategorie hat ihre eigene Lösung.
| Ursache | Beispiel | Erkennungsmerkmal |
|---|---|---|
| Tippfehler | „laufshuhe“, „regenjake“ | fast richtig geschrieben |
| Synonym / Kundensprache | „Handy“ statt „Smartphone“ | Sie führen es, nur unter anderem Namen |
| Sortimentslücke | Marke oder Produkt, das Sie nicht führen | es gibt wirklich nichts Passendes |
| Datenqualität | Farbe oder Material fehlt am Artikel | Produkt passt, Information fehlt |
| Zeichen / Artikelnummer | „AB-1234“ statt „AB 1234“ | Nummern, Bindestriche, Leerzeichen |
| Sucheinstellung | „rote jacke damen wasserdicht“ | einzelne Wörter finden etwas, die Kombination nicht |
Die letzte Kategorie wird oft übersehen. Ist in den Sucheinstellungen die „UND“-Suche gewählt (voreingestellt ist „ODER“), muss jedes eingegebene Wort einen Treffer haben. Ein einziges Wort, das in keinem durchsuchbaren Feld vorkommt, macht dann das ganze Ergebnis leer.
Beim Einordnen hilft eine einfache Reihenfolge. Suchen Sie den Begriff zuerst selbst im Shop und schauen Sie, ob ein einzelnes Wort daraus etwas findet. Dann fragen Sie: Führen wir das, nur unter anderem Namen? Steht die gesuchte Information überhaupt am Artikel? Erst wenn alle Antworten „nein“ lauten, ist es eine echte Sortimentslücke. Diese Reihenfolge verhindert, dass vorschnell „haben wir nicht“ notiert wird, obwohl das Produkt im Lager liegt.
Wie viele Suchen bleiben in Ihrem Shop leer?
Testen Sie Ihre Suche mit typischen Kundenbegriffen, oder lassen Sie sich eine persönliche Auswertung mit konkreten Empfehlungen schicken.
Maßnahmen je Kategorie
Tippfehler
Die Standardsuche gleicht Eingaben mit ähnlich geschriebenen Wörtern aus dem Suchindex ab, fängt aber längst nicht alles ab. Häufige Vertipper können Sie als Such-Schlagwort am Produkt hinterlegen. Dauerhaft besser ist eine fehlertolerante Suche, wie sie der Ratgeber Tippfehler, Umlaute, Mehrzahl beschreibt.
Synonym und Kundensprache
Hier liegt meist das größte Potenzial, weil die Ware ja vorhanden ist. Wie Sie Synonyme mit Bordmitteln oder über eine Liste pflegen, lesen Sie unter Synonyme in der Shopware-Suche.
Sortimentslücke
Hier hilft keine Technik. Geben Sie die Begriffe an Einkauf oder Sortimentsplanung weiter. Taucht eine Marke oder Produktart Woche für Woche auf, ist das eine kostenlose Marktforschung. Bis dahin sollte die Nulltreffer-Seite eine Alternative anbieten.
Datenqualität
Fehlen Angaben wie Farbe, Material oder Einsatzbereich, ergänzen Sie sie als Eigenschaften und prüfen unter „Durchsuchbare Inhalte“, ob „Eigenschaftsausprägungen“ durchsuchbar ist. Nach jeder Änderung an diesen Einstellungen den Such-Index neu erstellen.
Zeichen und Artikelnummern
Prüfen Sie, ob Produktnummer, Herstellernummer und GTIN/EAN durchsuchbar sind und in welcher Schreibweise Kunden sie eingeben. Details dazu im Artikel über Artikelnummern, EAN und Herstellernummern.
Sucheinstellung
Prüfen Sie die Einstellung „UND“-Suche oder „ODER“-Suche und die Liste der ausgeschlossenen Suchbegriffe. Die Vor- und Nachteile beider Varianten erklärt Sucheinstellungen richtig konfigurieren.
Eine gute Nulltreffer-Seite
Ganz auf null kommen Sie nie. Kunden suchen auch nach Dingen, die Sie schlicht nicht führen. Entscheidend ist dann, was die leere Seite anbietet.
Im Standard zeigt Shopware die Überschrift „Zu … wurde kein Produkt gefunden“ und darunter wenig mehr. Den Text können Sie unter Einstellungen › Regional › Textbausteine anpassen. Für alles Weitere braucht es eine Anpassung im Theme oder eine Erweiterung. Eine gute Nulltreffer-Seite enthält:
- Einen Vorschlag: „Meinten Sie …?“ bei erkennbaren Tippfehlern, idealerweise gleich mit den Treffern für den korrigierten Begriff.
- Bestseller oder beliebte Kategorien: damit der Besucher einen Weg weiter hat, statt den Shop zu verlassen.
- Eine Kontaktmöglichkeit: „Sie suchen etwas Bestimmtes? Schreiben Sie uns.“ Gerade bei Fachsortimenten wird daraus oft eine Bestellung.
- Kurze Suchtipps: weniger Wörter, allgemeinerer Begriff, Artikelnummer ohne Leerzeichen.
Nichts erfinden
Zeigen Sie auf einer Nulltreffer-Seite keine beliebigen Produkte als vermeintliche Treffer. Wer „Fahrradhelm“ sucht und Gartenschläuche sieht, verliert das Vertrauen schneller als bei einer ehrlich leeren Seite mit guten Alternativen.
Die Wochenroutine: 30 Minuten
Nulltreffer senken ist keine einmalige Aktion, sondern Routine. Ein fester Termin pro Woche reicht. Ein bewährter Ablauf:
- Liste holen: die Suchen ohne Treffer der letzten sieben Tage, nach Häufigkeit sortiert.
- Top 20 einordnen: jeden Begriff einer der sechs Kategorien zuordnen. Seltene Einzelsuchen können warten.
- Schnelle Fälle lösen: Synonyme und Such-Schlagwörter ergänzen, fehlende Eigenschaften nachtragen.
- Sortimentslücken weitergeben: eine kurze Liste an den Einkauf.
- Gegenprobe: die Begriffe der Vorwoche erneut suchen. Finden sie jetzt etwas Passendes?
- Quote notieren: Anteil der Suchen ohne Treffer an allen Suchen. Die Entwicklung über Wochen zählt mehr als der einzelne Wert.
Lesen Sie die Quote mit etwas Gelassenheit. Eine Kampagne, ein neuer Newsletter oder eine Saison kann neue Suchbegriffe bringen, die kurzfristig mehr Nulltreffer erzeugen. Das ist kein Rückschritt, sondern neue Information. Steigt die Quote dagegen ohne erkennbaren Grund, lohnt ein Blick auf die letzten Änderungen am Sortiment, an den Produktdaten oder an den Sucheinstellungen. Ein versehentlich deaktiviertes Feld unter „Durchsuchbare Inhalte“ oder ein vergessener Neuaufbau des Such-Index fällt so schnell auf.
Welche weiteren Zahlen sich lohnen, etwa die Klickrate nach der Suche, beschreibt der Ratgeber Kennzahlen der Shopsuche.
Mit Suchklar fällt der erste Schritt weg, weil der Wochenbericht die Liste montags von selbst schickt. Im Shopware-Admin gibt es dafür außerdem einen eigenen Reiter „Ohne Treffer“, und auf Wunsch schlägt Suchklar wöchentlich Synonyme für gescheiterte Suchen vor, die Sie mit einem Klick übernehmen oder verwerfen.
Häufige Fragen
Speichert Shopware 6 die Suchbegriffe meiner Kunden?
Nein. Shopware 6 legt im Standard kein Protokoll der Kundensuchen an und zeigt keine Suchstatistik im Admin. Die Tabelle mit Suchwörtern im System ist der Suchindex Ihrer Produkte, nicht eine Liste dessen, was Kunden eingegeben haben.
Wie erfasse ich Suchen mit Google Analytics?
Die Suchergebnisseite in Shopware hat die Adresse /search?search=… Google Analytics 4 kann Website-Suchen über URL-Parameter erfassen. Prüfen Sie in den Einstellungen Ihres Datenstreams, ob der Parameter „search“ berücksichtigt wird. Ob eine Suche leer blieb, zeigt Google Analytics allerdings nicht direkt.
Was ist eine gute Nulltreffer-Quote?
Einen allgemeingültigen Zielwert gibt es nicht, er hängt stark von Sortiment und Zielgruppe ab. Wichtiger als der einzelne Wert ist die Entwicklung: Notieren Sie die Quote jede Woche und prüfen Sie, ob Ihre Maßnahmen sie senken.
Soll ich bei null Treffern einfach ähnliche Produkte anzeigen?
Nur wenn sie wirklich passen. Unpassende Ersatztreffer schaden mehr als eine ehrlich leere Seite. Besser sind ein „Meinten Sie …?“-Vorschlag, Bestseller oder beliebte Kategorien und eine Kontaktmöglichkeit.
Wie oft sollte ich Nulltreffer auswerten?
Einmal pro Woche reicht für die meisten Shops. Nehmen Sie sich die häufigsten 20 Begriffe vor, ordnen Sie sie einer Ursache zu, lösen Sie die schnellen Fälle und prüfen Sie die Begriffe der Vorwoche erneut.