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Tippfehler, Umlaute, Mehrzahl: So wird die Shopsuche fehlertolerant

Kunden tippen schnell, am Handy und selten so, wie Ihre Artikel heißen. Dieser Ratgeber zeigt, welche Fehler typisch sind, wie die Shopware-6-Suche damit umgeht und wo Sie nachhelfen können.

Von Kevin Allmann, Shopware-EntwicklerStand: Oktober 20267 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Die häufigsten Abweichungen sind Buchstabendreher, fehlende Buchstaben, ae/oe/ue statt Umlaut, Einzahl statt Mehrzahl und unterschiedlich geschriebene Wortzusammensetzungen.
  • Die Shopware-Standardsuche verzeiht kleine Abweichungen in begrenztem Umfang, kennt aber keine Regeln für Umlaute, Mehrzahl oder Synonyme.
  • Elasticsearch bzw. OpenSearch bringt eine echte Fehlertoleranz mit, löst Umlaut- und Mehrzahl-Fragen aber nicht automatisch.
  • Ein „Meinten Sie …?“-Hinweis und die regelmäßige Auswertung von Suchen ohne Treffer machen den größten Unterschied im Alltag.

Welche Fehler Kunden in die Suche tippen

Wer im Shop sucht, schreibt meist schnell, oft auf dem Smartphone und ohne auf die Rechtschreibung zu achten. Die Suchbegriffe weichen dabei auf sehr unterschiedliche Weise vom Artikelnamen ab. Für eine Suchmaschine sind das ganz verschiedene Probleme, deshalb lohnt es sich, sie einzeln zu betrachten.

FehlerartBeispielWarum es schwierig ist
Buchstabendreher„wandreschuhe“ statt „Wanderschuhe“Alle Buchstaben stimmen, nur die Reihenfolge nicht.
Fehlender oder doppelter Buchstabe„regenjake“, „gieskanne“, „kafffee“Das Wort ist kürzer oder länger als im Index.
Umlaut ersetzt„kaese“, „blumentoepfe“Aus einem Zeichen werden zwei, das zählt technisch als mehrere Fehler.
ß und ss„strasse“, „fussball“Je nach Tastatur und Gewohnheit schreiben Kunden beides.
Einzahl und Mehrzahl„topf“ für „Töpfe“, „ball“ für „Bälle“Im Deutschen ändert sich oft der Wortstamm, nicht nur die Endung.
Zusammen- oder Getrenntschreibung„garten schlauch“ statt „Gartenschlauch“Aus einem Wort werden zwei Suchbegriffe.
Bindestriche„tshirt“, „t shirt“, „T-Shirt“Drei Schreibweisen für denselben Artikel.

Hinzu kommen Abweichungen, die gar keine Fehler sind: Kunden verwenden andere Wörter als Ihr Katalog. Dafür sind Synonyme in der Shopware-Suche das richtige Werkzeug. In diesem Artikel geht es um die Schreibweise.

So geht die Shopware-6-Standardsuche damit um

Ohne Elasticsearch oder OpenSearch sucht Shopware 6 direkt in der Datenbank. Beim Indexieren zerlegt Shopware die durchsuchbaren Felder in einzelne Wörter, schreibt sie klein und entfernt Sonderzeichen. Bindestrich, Unterstrich, Plus, Punkt und @ bleiben dabei erhalten. „T-Shirt“ wird also als ein Wort „t-shirt“ gespeichert, „TShirt“ dagegen als „tshirt“ – für die Suche zunächst zwei verschiedene Begriffe.

Beim Suchen passiert Folgendes: Shopware bildet aus jedem Suchwort mehrere Varianten mit Platzhaltern, bei denen an einzelnen Stellen ein oder zwei Zeichen fehlen, ersetzt oder eingefügt sein dürfen. Diese Varianten gleicht Shopware mit einem Wörterbuch aller indexierten Begriffe ab, und zwar vom Wortanfang und vom Wortende her. Die gefundenen Begriffe werden anschließend nach Ähnlichkeit bewertet (Levenshtein-Abstand), und nur die besten acht fließen in die eigentliche Produktsuche ein.

Das ergibt eine gewisse Toleranz: Ein vergessener Buchstabe oder ein falsches Zeichen an der richtigen Stelle führt oft trotzdem zum Ziel. Systematisch ist das aber nicht. Ob ein Tippfehler gefunden wird, hängt davon ab, an welcher Position im Wort er steckt und welche ähnlichen Begriffe es im Sortiment gibt.

Was die Standardsuche nicht enthält:

  • Keine Umlaut-Regel: Es gibt keine Umschreibung von „ae“ zu „ä“ oder „ss“ zu „ß“. Ein Treffer kommt höchstens zustande, wenn die Platzhalter-Varianten zufällig passen.
  • Keine Grundformbildung: Einzahl und Mehrzahl werden nicht aufeinander zurückgeführt. „topf“ und „töpfe“ sind verschiedene Wörter.
  • Keine Synonyme und kein „Meinten Sie …?“: Weder das eine noch das andere ist in der Shopware-6-Standardsuche vorgesehen.

Begriffe, die Ziffern enthalten, behandelt Shopware gesondert: Hier wird nach dem Begriff als Bestandteil gesucht, ohne Tippfehler-Varianten. Mehr dazu im Ratgeber Artikelnummern, EAN und Herstellernummern finden.

Achtung bei der Mindestlänge

Unter „Einstellungen → Suche“ legen Sie die minimale Suchbegrifflänge fest, Shopware setzt hier standardmäßig 2. Kürzere Wörter fallen aus der Suche heraus. Wer den Wert erhöht, verliert Begriffe wie Größenangaben oder kurze Markennamen.

Was sich mit Elasticsearch oder OpenSearch ändert

Ist Elasticsearch oder OpenSearch angebunden, laufen Produktsuche, Suchvorschläge und Listings über den Suchserver. Shopware kombiniert dort mehrere Abfragen: einen exakten Treffer, eine unscharfe Suche, eine Präfixsuche und eine Suche über Wortteile.

  • Unscharfe Suche: Je nach Wortlänge sind kein, ein oder zwei Fehler erlaubt. Vertauschte Nachbarbuchstaben zählen als ein einziger Fehler, der erste Buchstabe muss stimmen.
  • Wortteile: Shopware legt zusätzlich Bruchstücke von vier bis fünf Zeichen an. Dadurch kann „schlauch“ auch „Gartenschlauch“ finden.
  • Nummern bleiben exakt: Für Begriffe aus Ziffern oder Mischungen aus Buchstaben und Ziffern schaltet Shopware die Unschärfe ab, damit Artikelnummern nicht verwässert werden.

Die deutsche Textanalyse in der Standardkonfiguration schreibt klein und entfernt Füllwörter, bildet aber keine Grundformen und gleicht keine Umlaute an. „kaese“ und „Käse“ liegen zwei Änderungen auseinander, „ball“ und „bälle“ ebenfalls. Bei kurzen Wörtern reicht die erlaubte Unschärfe dafür nicht. Mehr zu Aufwand und Nutzen lesen Sie unter Elasticsearch und OpenSearch in Shopware.

Wie fehlertolerant ist Ihre Suche heute?

Der kostenlose Suchtest prüft Ihren Shop mit echten Tippfehlern, Umlaut-Varianten und Mehrzahlformen und zeigt, wo Kunden ins Leere laufen.

Was Sie selbst tun können

Auch ohne neue Technik lässt sich die Trefferquote spürbar verbessern. Die folgenden Schritte funktionieren mit der Standardsuche und mit Elasticsearch.

  • Suchen ohne Treffer auswerten: Die Liste der erfolglosen Suchbegriffe zeigt, welche Schreibweisen Ihre Kunden wirklich verwenden. Wie Sie dabei vorgehen, steht im Ratgeber Suchen ohne Treffer auswerten und senken.
  • Schreibvarianten als Suchbegriffe hinterlegen: Shopware hat am Produkt das Feld „Such-Schlagwörter“. Tragen Sie dort gezielt „t shirt“, „tshirt“ oder die Mehrzahlform ein, wenn sie oft gesucht wird. Ob dieses Feld durchsucht wird und mit welcher Gewichtung, steuern Sie in den Sucheinstellungen.
  • Beide Formen im Artikeltext: Ein Satz wie „Ein Topf aus unserer Serie Töpfe“ klingt unnatürlich. Eine Formulierung wie „Kochtopf, auch im Set mit drei Töpfen“ deckt dagegen beide Formen ab, ohne zu stören.
  • Suchlogik prüfen: Bei der „UND“-Suche müssen alle Wörter passen. Trifft ein Wort wegen eines Tippfehlers nicht, bleibt die Ergebnisseite leer. Die „ODER“-Suche ist toleranter, liefert aber mehr ungenaue Treffer. Details finden Sie unter Sucheinstellungen richtig konfigurieren.
  • Index neu aufbauen: Nach Änderungen an den Sucheinstellungen oder vielen Artikelpflege-Schritten sollte der Suchindex neu erstellt werden, sonst greifen die Änderungen nicht.

Praxis-Tipp

Legen Sie sich eine feste Testliste mit zehn Begriffen an: zwei Buchstabendreher, zwei Umlaut-Umschreibungen, zwei Mehrzahlformen, zwei getrennt geschriebene Wörter und zwei Artikelnummern. Probieren Sie die Liste nach jedem Update und jeder Änderung an den Sucheinstellungen aus.

„Meinten Sie …?“: Korrekturen sichtbar machen

Fehlertoleranz hat zwei Seiten. Die Suche soll großzügig sein, aber der Kunde soll auch verstehen, warum er welche Treffer sieht. Ein Hinweis wie „Meinten Sie Laufschuh?“ erfüllt beide Aufgaben: Er zeigt die korrigierte Schreibweise und gibt dem Kunden die Möglichkeit, bei Bedarf doch nach seinem ursprünglichen Begriff zu suchen.

Gute Korrekturvorschläge haben drei Eigenschaften:

  • Sie kommen aus dem eigenen Sortiment. Ein Vorschlag, der wieder zu null Treffern führt, frustriert mehr als gar keiner.
  • Sie greifen nur bei Bedarf. Findet die Eingabe bereits passende Artikel, braucht es keinen Hinweis.
  • Sie lassen Nummern in Ruhe. Eine Artikelnummer, die zu einer ähnlichen Nummer „korrigiert“ wird, führt zum falschen Produkt.

Die Shopware-6-Standardsuche bietet diesen Hinweis nicht von Haus aus. Er lässt sich über ein Such-Plugin ergänzen. Suchklar zum Beispiel korrigiert Tippfehler still, sucht bei null Treffern nach dem wahrscheinlich gemeinten Begriff und sagt das dem Kunden dazu – auch bei Wörtern mit Umlaut. Eingaben mit ae, oe und ue findet Suchklar wie ä, ö und ü, vertauschte Buchstaben zählen als ein Fehler, und bei Nummern und EAN bleibt die Toleranz abgeschaltet. Woran Sie ein passendes Plugin erkennen, beschreibt die Checkliste zur Plugin-Auswahl.

Fazit: Fehlertoleranz ist Pflege, nicht nur Technik

Die Shopware-Standardsuche verzeiht einzelne Tippfehler, aber nicht verlässlich. Elasticsearch oder OpenSearch machen die Unschärfe berechenbarer, lösen Umlaut-Umschreibungen und Mehrzahlformen aber nicht von selbst. Den größten Hebel haben Sie, wenn Sie regelmäßig auf die echten Suchbegriffe Ihrer Kunden schauen und die häufigsten Abweichungen gezielt abfangen – per Such-Schlagwort am Artikel, per Synonym oder mit einer Suche, die Korrekturen von sich aus vorschlägt.

Häufige Fragen

Findet die Shopware-Suche Wörter mit Tippfehlern?

Teilweise. Die Standardsuche bildet Varianten des Suchworts mit Platzhaltern und bewertet ähnliche Begriffe nach ihrem Abstand. Einzelne Fehler werden so oft gefunden, aber nicht an jeder Stelle im Wort. Mit Elasticsearch oder OpenSearch ist die Unschärfe gleichmäßiger und berücksichtigt auch Buchstabendreher.

Findet „kaese“ auch „Käse“?

Nicht verlässlich. Weder die Datenbanksuche noch die Standardkonfiguration für Elasticsearch und OpenSearch enthält eine Regel, die ae, oe und ue in Umlaute übersetzt. Abhilfe schaffen hinterlegte Such-Schlagwörter am Artikel oder eine Suche, die Umlaut-Umschreibungen gezielt erkennt.

Warum findet die Suche „Topf“, aber nicht „Töpfe“?

Shopware führt Einzahl und Mehrzahl nicht auf eine gemeinsame Grundform zurück. Ändert sich der Wortstamm wie bei Topf und Töpfe, sind das für die Suche zwei verschiedene Wörter. Häufig gesuchte Mehrzahlformen sollten Sie deshalb als Such-Schlagwort oder im Artikeltext ergänzen.

Kann ich die Tippfehler-Toleranz in Shopware einstellen?

Im Admin nicht direkt. Unter „Einstellungen → Suche“ legen Sie die Suchlogik, die minimale Suchbegrifflänge, ausgeschlossene Begriffe und die Gewichtung der Felder fest. Wie unscharf gesucht wird, ist im Code festgelegt und lässt sich nur per Entwicklung oder Plugin verändern.

Zeigt Shopware „Meinten Sie …?“ an?

Die Standardsuche von Shopware 6 hat keinen solchen Hinweis. Ein Korrekturvorschlag lässt sich über ein Such-Plugin ergänzen. Wichtig ist, dass der Vorschlag nur Begriffe nennt, die im eigenen Sortiment tatsächlich Treffer liefern.