Kurz gesagt
- Kunden suchen mit Umgangssprache, regionalen Wörtern, Fach- und englischen Begriffen. Steht das Wort nicht am Produkt, bleibt die Suche leer.
- Shopware 6 bringt keine Synonymverwaltung mit, weder in der Standardsuche noch in der mitgelieferten Elasticsearch-Konfiguration.
- Workarounds: Such-Schlagwörter am Produkt, durchsuchbar geschaltete Tags oder Eigenschaften. Danach immer den Such-Index neu erstellen.
- Die besten Synonym-Kandidaten stehen in der Liste der Suchen ohne Treffer. Klein anfangen, Gruppe oder Richtung festlegen, regelmäßig prüfen.
Warum Kunden andere Wörter benutzen als Ihr Shop
Ihr Katalog spricht die Sprache des Herstellers und des Einkaufs. Ihre Kunden sprechen die Sprache ihres Alltags. Solange beide dasselbe Wort verwenden, findet die Suche alles. Sobald nicht, zeigt sie eine leere Seite, obwohl der passende Artikel im Lager liegt.
Die Gründe dafür wiederholen sich in fast jedem Sortiment:
- Umgangssprache: Kunden tippen „Handy“, im Shop heißt es „Smartphone“.
- Regionale Begriffe: „Sackerl“, „Tüte“ und „Beutel“ meinen oft dasselbe, ebenso „Schreiner“ und „Tischler“.
- Fachbegriffe: Der Katalog nennt es „Akku-Bohrschrauber“, der Kunde sucht „Bohrmaschine ohne Kabel“. Oder umgekehrt: Profis suchen den Fachbegriff, Ihr Artikelname ist eher werblich.
- Englisch und Deutsch: „Hoodie“ oder „Kapuzenpullover“, „Sneaker“ oder „Turnschuh“, „Charger“ oder „Ladegerät“.
- Marken als Gattung: Kunden verwenden bekannte Markennamen für eine ganze Produktart, auch wenn Sie diese Marke gar nicht führen.
- Anwendung statt Produkt: „Geschenk für Gärtner“ oder „gegen nasse Füße“ beschreibt ein Problem, kein Produkt.
Für den Kunden sieht das Ergebnis immer gleich aus: keine Treffer. Er schließt daraus, dass Sie das Produkt nicht haben, und kauft woanders. Sie merken davon nichts, denn eine leere Suche erzeugt keine Fehlermeldung und keine Beschwerde.
Was Shopware 6 im Standard kann – und was nicht
Die kurze Antwort: Eine eigene Synonymverwaltung hat Shopware 6 nicht. Es gibt im Admin keine Liste, in der Sie „Handy = Smartphone“ einmal für den ganzen Shop eintragen. Das gilt für die Standardsuche ebenso wie für die mitgelieferte Konfiguration für Elasticsearch und OpenSearch. Dort ließen sich Synonyme zwar technisch ergänzen, das ist aber Entwicklerarbeit an den Index-Einstellungen und keine Funktion, die Sie im Admin pflegen.
Was Shopware stattdessen mitbringt, finden Sie unter Einstellungen › Allgemein › Suche:
- Durchsuchbare Inhalte: Hier legen Sie fest, welche Felder überhaupt durchsucht werden, etwa Produktname, Produktnummer, Herstellername, „Eigene Suchbegriffe“, Produkt-Tag, Kategoriename oder Eigenschaftsausprägungen, und mit welcher Rangpunktzahl sie zählen.
- Ausgeschlossene Suchbegriffe: Wörter, die bei der Suche ignoriert werden. Für Deutsch ist eine Liste typischer Füllwörter vorbelegt.
- Such-Verhalten: „UND“-Suche oder „ODER“-Suche und die minimale Suchbegrifflänge.
- Echtzeit-Suche: ein zweiter Reiter, in dem Sie Suchbegriffe je Verkaufskanal testen und die Rangpunktzahl der Treffer sehen.
Außerdem gleicht die Standardsuche Eingaben mit ähnlich geschriebenen Wörtern aus dem Suchindex ab. Das hilft bei kleinen Abweichungen in der Schreibweise. Mit Bedeutung hat das nichts zu tun: Aus „Handy“ wird so nie „Smartphone“. Mehr zu diesem Unterschied lesen Sie im Artikel über Tippfehler, Umlaute und Mehrzahl, die Grundeinstellungen erklärt der Ratgeber Sucheinstellungen richtig konfigurieren.
Workarounds mit Bordmitteln
Ohne Synonymliste bleibt nur ein Weg: Die Kundenwörter müssen am Produkt selbst hängen, damit sie im Suchindex landen. Dafür gibt es drei brauchbare Stellen.
Such-Schlagwörter am Produkt
In der Produktbearbeitung gibt es im Reiter „Allgemein“ in der Karte „Zuweisung“ das Feld „Such-Schlagwörter“. Shopware beschreibt es selbst so: Das Produkt wird in der Storefront auch über diese Begriffe gefunden. Das Feld ist nur sichtbar, wenn oben der „Erweiterte Modus“ eingeschaltet ist. In den Sucheinstellungen heißt dasselbe Feld „Eigene Suchbegriffe“ und ist in einer Standardinstallation bereits durchsuchbar.
Tags
Tags sind eigentlich für den internen Gebrauch gedacht, laut Hilfetext aber ausdrücklich auch als individuelle Suchbegriffe nutzbar. Der Vorteil: Ein Tag wie „handy“ lässt sich vielen Produkten auf einmal zuweisen. Der Haken: „Produkt-Tag“ ist in einer frischen Installation nicht durchsuchbar. Sie müssen ihn unter „Durchsuchbare Inhalte“ erst aktivieren.
Eigenschaften
Eigenschaftsausprägungen wie Material, Einsatzbereich oder Zielgruppe sind oft schon gepflegt und lassen sich ebenfalls durchsuchbar schalten. Das passt, wenn das Kundenwort tatsächlich eine Eigenschaft beschreibt, etwa „wasserdicht“ oder „für Kinder“. Für reine Synonyme sind Eigenschaften zweckentfremdet, denn sie erscheinen auch in Filtern und auf der Produktseite.
| Weg | Wo im Admin | Gut für | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Such-Schlagwörter | Produkt › Allgemein › Zuweisung (Erweiterter Modus) | einzelne Artikel, gezielte Begriffe | Pflege je Produkt, wächst schnell |
| Tags | Produkt › Allgemein › Zuweisung | viele Artikel mit demselben Kundenwort | muss erst durchsuchbar geschaltet werden |
| Eigenschaften | Produkt › Spezifikationen › Eigenschaften | Merkmale, die Kunden suchen | wirkt auch in Filtern und Anzeige |
Wichtig nach jeder Änderung
Wenn Sie unter „Durchsuchbare Inhalte“ ein Feld aktivieren, muss der Suchindex neu aufgebaut werden. Das geht auf derselben Seite über „Such-Index neu erstellen“. Erst danach findet die Suche die neuen Begriffe.
Alle drei Wege haben dieselbe Schwäche: Sie pflegen Synonyme nicht einmal, sondern an jedem Artikel. Kommen neue Produkte dazu, fehlen die Begriffe dort, bis jemand daran denkt.
Wie viele Kundenwörter verpasst Ihre Suche?
Prüfen Sie in wenigen Minuten, ob Ihre Shopsuche typische Umgangssprache, Mehrzahl und Tippfehler versteht, oder lassen Sie Ihre Suche persönlich durchsehen.
So bauen Sie eine sinnvolle Synonymliste auf
Ob Sie die Begriffe später an Produkte hängen oder ein Such-Plugin mit eigener Synonymliste nutzen: Die Liste selbst sollte sauber aufgebaut sein. Drei Fragen helfen dabei.
Gruppe oder Richtung?
Echte Synonyme bilden eine Gruppe: „Handy“, „Smartphone“ und „Mobiltelefon“ meinen dasselbe, jedes Wort soll die Treffer der anderen finden. Andere Begriffe brauchen eine Richtung: Wer „Schuhe“ sucht, darf Laufschuhe sehen. Wer „Laufschuhe“ sucht, will aber keine Hausschuhe. Hier gilt nur „Schuhe → Laufschuhe“, nicht umgekehrt.
Klein anfangen
Beginnen Sie mit den Begriffen, die tatsächlich gesucht werden und scheitern. Eine Liste aus dem Wörterbuch mit Hunderten Einträgen klingt gründlich, bringt aber vor allem unpassende Treffer. Zehn gut gewählte Gruppen bewirken oft mehr als zweihundert theoretische.
Nicht übertreiben
- Nur gleiche Bedeutung: „Akku“ und „Batterie“ sind in manchen Sortimenten dasselbe, in anderen zwei verschiedene Produkte.
- Keine Oberbegriffe als Gruppe: „Jacke = Regenjacke = Winterjacke“ macht jede Jackensuche unscharf.
- Marken vorsichtig: Führen Sie eine Marke nicht, ist ein Verweis auf eine Alternative legitim. Der Kunde sollte aber erkennen, dass er eine Alternative sieht.
- Tippfehler gehören nicht hierher: Schreibvarianten löst eine fehlertolerante Suche besser als eine immer längere Liste.
Praxis-Tipp
Schreiben Sie zu jeder Gruppe kurz dazu, warum sie existiert, zum Beispiel „aus Nulltreffer-Liste Juli“. So weiß auch in einem Jahr noch jemand, ob ein Eintrag gelöscht werden darf.
Kandidaten aus „Suchen ohne Treffer“ finden
Die besten Synonyme stehen nicht im Wörterbuch, sondern in den Suchen Ihrer Kunden. Genauer: in den Suchen, die kein Ergebnis hatten. Jeder dieser Begriffe ist entweder ein fehlendes Synonym, ein Tippfehler oder eine echte Lücke im Sortiment.
Das Problem: Shopware 6 speichert die Suchbegriffe Ihrer Kunden nicht. Die Tabelle mit Suchwörtern im System ist der Suchindex Ihrer Produkte, kein Protokoll der Kundensuchen. Woher Sie die Daten trotzdem bekommen, erklärt der Ratgeber Suchen ohne Treffer auswerten und senken ausführlich. Für die Synonymarbeit genügt dieser Ablauf:
- Liste der Suchen ohne Treffer der letzten Wochen nehmen, nach Häufigkeit sortiert.
- Tippfehler und Sortimentslücken aussortieren.
- Für den Rest prüfen: Führen wir das unter einem anderen Namen? Wenn ja, ist es ein Synonym-Kandidat.
- Gruppe oder Richtung festlegen, eintragen, Index neu aufbauen und den Begriff im Reiter „Echtzeit-Suche“ testen.
Suchklar nimmt Ihnen hier einen Teil der Arbeit ab: Der Wochenbericht listet jeden Montag die Suchen ohne Treffer, Synonyme pflegen Sie in einer eigenen Liste mit einer Zeile je Gruppe, und auf Wunsch schlägt Suchklar wöchentlich passende Synonyme für gescheiterte Suchen vor, und zwar nur solche, die im Shop tatsächlich Produkte finden. Mit dem Zusatzpaket „Kundensprache“ ergänzt Suchklar außerdem jeden Artikel unsichtbar um Umgangssprache, Anwendungsfall und typische Falschschreibung, ohne dass Sie Listen von Hand pflegen.
Synonyme pflegen und regelmäßig prüfen
Eine Synonymliste ist nie fertig. Sortiment, Saison und Sprache ändern sich. Planen Sie deshalb einen festen Termin ein, etwa einmal im Monat:
- Neue Nulltreffer-Begriffe durchgehen und Kandidaten ergänzen.
- Bestehende Einträge stichprobenartig testen: Liefert „Handy“ noch passende Treffer, oder stehen inzwischen Zubehörartikel ganz oben?
- Einträge entfernen, deren Produkte nicht mehr im Sortiment sind.
- Prüfen, ob die Klickrate nach Synonymsuchen stimmt. Wie Sie das messen, steht im Artikel über die Kennzahlen der Shopsuche.
Wird die Pflege an Hunderten Produkten zu aufwendig, ist das ein deutliches Zeichen, dass eine zentrale Synonymliste fehlt. Worauf Sie bei der Auswahl einer Erweiterung achten sollten, fasst die Checkliste für Such-Plugins zusammen.
Häufige Fragen
Hat Shopware 6 eine Synonymfunktion?
Nein, nicht im Standard. Unter Einstellungen › Allgemein › Suche legen Sie durchsuchbare Inhalte, Rangpunktzahlen, ausgeschlossene Suchbegriffe und das Such-Verhalten fest, eine Synonymliste gibt es dort nicht. Auch die mitgelieferte Konfiguration für Elasticsearch und OpenSearch enthält keine Synonyme.
Wo trage ich zusätzliche Suchbegriffe für ein Produkt ein?
In der Produktbearbeitung im Reiter „Allgemein“, Karte „Zuweisung“, im Feld „Such-Schlagwörter“. Das Feld erscheint nur, wenn der „Erweiterte Modus“ eingeschaltet ist. In den Sucheinstellungen heißt es „Eigene Suchbegriffe“.
Warum findet die Suche meine Tags nicht?
In einer frischen Shopware-Installation ist „Produkt-Tag“ unter „Durchsuchbare Inhalte“ nicht aktiviert. Schalten Sie das Feld durchsuchbar und erstellen Sie anschließend den Such-Index neu.
Wie viele Synonyme sollte eine Liste haben?
So viele, wie echte Suchen es erfordern. Beginnen Sie mit den häufigsten Begriffen aus der Liste der Suchen ohne Treffer. Wenige gut gewählte Gruppen bringen mehr als eine lange Liste aus dem Wörterbuch, die vor allem unpassende Treffer erzeugt.
Sind Tippfehler auch Synonyme?
Besser nicht. Schreibvarianten fängt eine fehlertolerante Suche zuverlässiger ab als eine immer längere Liste. Synonyme sind für Wörter mit gleicher Bedeutung gedacht, etwa „Handy“ und „Smartphone“.