Kurz gesagt
- Shopware 6 kann Produktsuche, Suchvorschläge und Kategorie-Listings über Elasticsearch oder OpenSearch ausliefern; die Admin-Suche wird getrennt davon eingeschaltet.
- Der Suchserver lohnt sich vor allem bei großen Sortimenten, vielen Varianten, vielen Filtern und hoher Last auf der Datenbank.
- Er braucht eigenen Server, Arbeitsspeicher, Überwachung und eine funktionierende Indexierung – das ist laufender Aufwand.
- Synonyme, Kundensprache, Relevanz-Feinschliff und die Auswertung der Suchen bringt er nicht automatisch mit.
Was Elasticsearch und OpenSearch sind
Elasticsearch und OpenSearch sind Suchserver: eigenständige Programme, die Texte und Daten in einem speziell aufgebauten Index ablegen und darin sehr schnell suchen, filtern und zählen können. OpenSearch ist aus Elasticsearch hervorgegangen, beide funktionieren für Shopware sehr ähnlich. Shopware spricht beide über dieselbe Anbindung an, die Adresse des Servers steht in der Umgebungsvariable OPENSEARCH_URL.
Ohne Suchserver sucht Shopware 6 direkt in der MySQL- bzw. MariaDB-Datenbank. Dafür legt Shopware eine eigene Tabelle mit Suchwörtern an und vergleicht Eingaben mit diesem Wörterbuch. Das funktioniert, stößt bei großen Datenmengen aber an Grenzen – sowohl bei der Geschwindigkeit als auch bei der Fehlertoleranz.
Wichtig für das Verständnis: Der Suchserver ersetzt die Datenbank nicht. Artikel, Preise und Bestellungen bleiben in Shopware. Der Suchserver erhält eine Kopie der Produktdaten, die für Suche und Filter optimiert ist, und muss bei jeder Änderung auf denselben Stand gebracht werden. Genau aus diesem Abgleich entsteht ein Großteil des Betriebsaufwands.
Wofür Shopware den Suchserver nutzt
Im Shopware-6-Code ist klar festgelegt, welche Anfragen über den Suchserver laufen dürfen. Im Storefront-Bereich ist das ausschließlich die Produkt-Entität, genutzt wird sie unter anderem für:
- Die Suchergebnisseite nach dem Absenden einer Suche,
- die Suchvorschläge während des Tippens,
- Kategorie-Listings inklusive Filtern und Sortierung,
- Produkt-Slider und dynamische Produktgruppen, die aus Produktdaten zusammengestellt werden.
Die Suche im Shopware-Admin ist ein eigener Bereich mit eigenem Schalter (SHOPWARE_ADMIN_ES_ENABLED) und eigenen Indizes. Dort werden nicht nur Produkte indexiert, sondern auch Bestellungen, Kunden, Kategorien, Medien, Aktionen und weitere Bereiche. Beides lässt sich unabhängig voneinander einschalten.
Die Gewichtung der Felder aus „Einstellungen → Suche“ bleibt erhalten: Auch mit Suchserver liest Shopware die dort eingestellten Felder und Rangpunktzahlen. Was sich ändert, ist die Art der Suche. Shopware kombiniert dann einen exakten Treffer, eine unscharfe Suche mit Tippfehler-Toleranz, eine Präfixsuche und eine Suche über Wortteile. Was das für Tippfehler bedeutet, beschreibt der Ratgeber Tippfehler, Umlaute, Mehrzahl.
Ab wann sich ein Suchserver lohnt
Eine feste Artikelgrenze gibt es nicht. Entscheidend ist, wie stark die Datenbank durch Suche und Listings belastet wird und wie gut die Ergebnisse heute sind. Die folgenden Anzeichen sprechen für einen Suchserver:
| Anzeichen | Warum der Suchserver hilft |
|---|---|
| Großes Sortiment, viele Varianten | Die Wörterbuch-Suche in der Datenbank wird mit wachsender Datenmenge langsamer. |
| Viele Filter in Kategorien | Filterwerte und Trefferzahlen berechnet der Suchserver deutlich effizienter als die Datenbank. |
| Spitzenlast bei Aktionen | Such- und Listing-Anfragen entlasten die Datenbank, die dann mehr Luft für Warenkorb und Bestellungen hat. |
| Langsame Suchvorschläge | Vorschläge beim Tippen erzeugen viele Anfragen kurz hintereinander. |
| Kaum Treffer bei Tippfehlern | Die unscharfe Suche des Suchservers ist gleichmäßiger als die der Datenbanksuche. |
Umgekehrt gilt: Ein kleiner Shop mit überschaubarem Sortiment, wenigen Filtern und schneller Datenbank gewinnt durch einen eigenen Suchserver oft wenig, trägt aber den vollen Betriebsaufwand. Ob die Suche das eigentliche Problem ist, zeigen die Kennzahlen der Shopsuche meist schneller als jede Server-Diskussion.
Praxis-Tipp
Messen Sie vor der Entscheidung zwei Dinge: wie lange eine typische Suche und ein großes Kategorie-Listing mit mehreren Filtern heute laden, und wie viele Suchen ohne Treffer enden. Ist vor allem die Ladezeit das Problem, hilft ein Suchserver. Enden dagegen viele Suchen leer, liegt die Ursache meist bei fehlenden Wörtern – und die behebt ein Suchserver allein nicht.
Brauchen Sie wirklich einen eigenen Suchserver?
Der kostenlose Suchtest zeigt, wie gut Ihre Suche heute findet. Im persönlichen Such-Check schauen wir gemeinsam, ob Technik oder Pflege der größere Hebel ist.
Aufwand und Betrieb
Ein Suchserver ist kein Plugin, das man einmal installiert. Er ist ein zusätzlicher Dienst, der dauerhaft laufen, überwacht und aktualisiert werden muss.
- Server und Arbeitsspeicher: Elasticsearch und OpenSearch brauchen spürbar Arbeitsspeicher und sollten nicht auf einem bereits ausgelasteten Webserver mitlaufen. Viele Hoster bieten OpenSearch als Zusatzdienst an, bei einfachen Webhosting-Paketen ist das meist nicht möglich.
- Konfiguration: Eingeschaltet wird der Suchserver über Umgebungsvariablen, unter anderem
SHOPWARE_ES_ENABLED,SHOPWARE_ES_INDEXING_ENABLED,OPENSEARCH_URLundSHOPWARE_ES_INDEX_PREFIX. Die genaue Einrichtung gehört in die Hände Ihrer Agentur oder Ihres Hosters. - Indexierung: Alle Produkte müssen in den Suchindex übertragen werden, dafür gibt es eigene Konsolenbefehle wie
es:index. Laufende Änderungen an Artikeln und Beständen zieht Shopware nach, sobald die Produkt-Indexierung gelaufen ist – in der Regel über die Nachrichten-Warteschlange im Hintergrund. Hängt diese Warteschlange, sieht der Shop veraltete Preise, Bestände oder fehlende Artikel. - Testumgebung: Jede Änderung am Suchserver sollte zuerst auf einer Staging-Umgebung mit eigenem Index geprüft werden. Über das Präfix der Indizes lassen sich mehrere Umgebungen auf einem Server trennen.
- Updates: Shopware-Updates können Änderungen am Index-Aufbau mitbringen. Dann muss neu indexiert werden, bei großen Sortimenten dauert das.
- Ausfälle: Shopware wirft in der Standardeinstellung (
SHOPWARE_ES_THROW_EXCEPTION) einen Fehler, wenn der Suchserver nicht antwortet. Erst wenn diese Variable abgeschaltet ist, fällt die Suche auf die Datenbank zurück. Diese Einstellung sollten Sie bewusst wählen.
Typische Stolperfalle
Nach dem Einschalten wirkt der Shop plötzlich „leer“, weil der Index noch nicht vollständig aufgebaut ist. Planen Sie die erste Indexierung immer auf einer Testumgebung und außerhalb der Hauptverkaufszeit.
Was der Suchserver nicht automatisch löst
Ein Suchserver macht die Suche schneller und robuster gegenüber kleinen Tippfehlern. Er weiß aber nicht, wie Ihre Kunden sprechen. In der Standardkonfiguration von Shopware bleiben einige Lücken:
- Synonyme: Shopware liefert für den Suchserver keine Synonymliste mit. Wer „Handy“ sucht, findet keine Smartphones, solange das Wort nirgends am Artikel steht. Wie Sie Synonyme angehen, lesen Sie unter Synonyme in der Shopware-Suche.
- Umlaute und Mehrzahl: Die deutsche Textanalyse in Shopware schreibt klein und entfernt Füllwörter, gleicht aber weder „ae“ und „ä“ an noch führt sie „Töpfe“ auf „Topf“ zurück.
- Relevanz-Feinschliff: Welche Artikel bei „Jacke“ ganz oben stehen sollen, entscheidet weiterhin die Feldgewichtung. Verkaufszahlen, Lieferbarkeit oder angepinnte Artikel fließen nicht von selbst ein.
- Auswertung: Welche Suchen ohne Treffer bleiben und welche Begriffe Umsatz bringen, zeigt Ihnen der Suchserver nicht. Dafür braucht es eine eigene Auswertung, mehr dazu unter Suchen ohne Treffer auswerten.
Diese Punkte lassen sich mit eigener Entwicklung am Index-Aufbau lösen, das ist aber Arbeit, die bei jedem Update wieder geprüft werden muss.
Alternativen zum eigenen Suchserver
Wer die Vorteile eines Suchservers will, ohne ihn selbst zu betreiben, hat zwei Wege: Der Hoster stellt OpenSearch als verwalteten Dienst bereit, oder ein Such-Plugin bringt einen gehosteten Suchdienst mit, der die Shopware-Suche ersetzt. Beim zweiten Weg kümmert sich der Anbieter um Server, Index und Updates. Achten Sie dabei auf Datenstandort, Ausfallverhalten und darauf, ob Synonyme und Auswertung bereits enthalten sind. Eine Checkliste dafür finden Sie unter Such-Plugin für Shopware 6 auswählen.
Suchklar ist ein solcher gehosteter Dienst: Der Suchserver steht in Deutschland, ein eigener Elasticsearch-Server im Shop ist nicht nötig, und das Plugin läuft mit jedem Theme und bei jedem Webhoster. Ist der Suchserver einmal nicht erreichbar, springt automatisch die normale Shopware-Suche ein. Synonyme, Tippfehler-Korrektur und ein Wochenbericht mit den Suchen ohne Treffer gehören dazu, und betreut wird der Dienst persönlich.
Fazit
Elasticsearch und OpenSearch sind in Shopware 6 eine solide Grundlage für große Sortimente, viele Filter und hohe Last. Sie verlangen aber eigenen Betrieb und lösen die inhaltlichen Fragen der Suche nicht von selbst. Prüfen Sie zuerst, wo Ihre Suche heute scheitert – an der Geschwindigkeit oder an fehlenden Wörtern. Davon hängt ab, ob ein Suchserver, bessere Pflege oder ein gehosteter Suchdienst der richtige nächste Schritt ist.
Häufige Fragen
Braucht Shopware 6 Elasticsearch oder OpenSearch?
Nein. Shopware 6 funktioniert ohne Suchserver und sucht dann direkt in der Datenbank. Elasticsearch oder OpenSearch ist eine optionale Erweiterung, die vor allem bei großen Sortimenten, vielen Filtern und hoher Last Vorteile bringt.
Was ist der Unterschied zwischen Elasticsearch und OpenSearch?
OpenSearch ist aus Elasticsearch hervorgegangen. Für Shopware verhalten sich beide sehr ähnlich, die Anbindung erfolgt über dieselbe Konfiguration mit der Umgebungsvariable OPENSEARCH_URL. Welcher Dienst eingesetzt wird, hängt meist davon ab, was der Hoster anbietet.
Wird die Admin-Suche automatisch mit umgestellt?
Nein. Die Admin-Suche hat in Shopware einen eigenen Schalter und eigene Indizes. Storefront-Suche und Admin-Suche lassen sich unabhängig voneinander auf den Suchserver umstellen.
Was passiert, wenn der Suchserver ausfällt?
In der Standardeinstellung meldet Shopware einen Fehler, wenn der Suchserver nicht antwortet. Ist die Variable SHOPWARE_ES_THROW_EXCEPTION abgeschaltet, weicht Shopware auf die Datenbanksuche aus. Zusätzlich sollte der Suchserver überwacht werden.
Findet die Suche mit Elasticsearch automatisch Synonyme?
Nein. Shopware bringt für den Suchserver keine Synonymliste mit. Synonyme müssen über eigene Entwicklung am Index, über die Artikeldaten oder über ein Such-Plugin ergänzt werden.